Buchneuerscheinung: Arno Stoy – Leben und Leiden eines Bad Harzburger Zeugen Jehovas
Mit dem Band »Aber vergesst nur nicht noch, dass Ihr zum Leben in der Welt seid«. Die Verfolgung des Harzburger Zeugen Jehovas Arno Stoy ist soeben eine bedeutende regionalhistorische Neuerscheinung veröffentlicht worden. Das Werk des Bad Harzburger Historikers Markus Weber ist als Band 37 der renommierten Reihe „Harz-Forschungen“ des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde erschienen und ab sofort im Buchhandel erhältlich.
Die offizielle Buchvorstellung findet am Dienstag, 24. März 2026 um 15.30 Uhr in der Wandelhalle im Badepark an der Rohkamallee in Bad Harzburg statt. Die Veranstaltung wird in Kooperation mit dem Harzburger Geschichtsverein organisiert. Autor Markus Weber wird dabei einen Vortrag zur Verfolgung Arno Stoys unter dem Nationalsozialismus halten.
Das Schicksal eines mutigen Bad Harzburgers
Der Bad Harzburger Unternehmer Arno Stoy war bekennender Zeuge Jehovas und gehörte damit zu einer religiösen Gemeinschaft, die früh ins Visier der nationalsozialistischen Machthaber geriet. 1940 starb Stoy im Konzentrationslager Sachsenhausen.
Das Buch zeichnet sein Leben und Leiden detailliert nach. Grundlage der Darstellung sind umfangreiche Archivdokumente aus verschiedenen Institutionen sowie persönliche Schreiben Stoys an staatliche Stellen, in denen er für seine Rechte eintrat. Besonders bewegend sind die privaten Briefe aus Gefängnissen und aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen, die von der Familie zur Verfügung gestellt wurden.
Diese Briefe vermitteln das Bild eines aufrechten und standhaften Menschen, der unbeirrt zu seinen religiösen Überzeugungen stand – trotz massiver Repressionen. Arno Stoy musste seine Haltung letztlich mit dem Leben bezahlen.
Verfolgung durch Behörden, Gestapo und Gerichte
Die Studie dokumentiert präzise die gegen Arno Stoy gerichteten Verfolgungsmaßnahmen. Dazu gehörten Eingriffe und Repressionen durch:
- städtische Behörden
- die Gestapo
- die SA
- die nationalsozialistische Justiz
Am Beispiel seiner Biografie wird deutlich, wie systematisch die Zeugen Jehovas als religiöse Minderheit verfolgt wurden. Obwohl sie zu den ersten Opfern der NS-Diktatur gehörten, fanden sie lange Zeit vergleichsweise wenig Beachtung im öffentlichen Erinnerungsdiskurs.
Der schwierige Weg zur Anerkennung nach 1945
Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb das Leid für Stoys Familie nicht beendet. Die Anerkennung als Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gestaltete sich schwierig. Über Jahre hinweg musste die Familie um Wiedergutmachungsleistungen kämpfen.
Das Buch versteht sich daher nicht nur als historische Biografie, sondern auch als Plädoyer für eine umfassende Erinnerungskultur. Es würdigt die Zeugen Jehovas als verfolgte und widerständige Gruppe und trägt dazu bei, eine Lücke in der regionalen wie überregionalen NS-Forschung zu schließen.
Zum Autor Markus Weber
Autor Markus Weber ist ausgewiesener Kenner der Regionalgeschichte. Er studierte Katholische Theologie in Frankfurt sowie Geschichte und Theologie in Münster und schloss mit Diplom in Theologie und dem Staatsexamen für das Lehramt am Gymnasium ab.
Von 1986 bis 2021 war er Lehrer am Niedersächsischen Internatsgymnasium Bad Harzburg. Zwischen 2005 und 2012 war er teilweise freigestellt als pädagogischer Mitarbeiter in der Gedenkstätte der JVA Wolfenbüttel tätig. Seit vielen Jahren engagiert er sich ehrenamtlich im Verein Spurensuche Harzregion.
Zu seinen bisherigen Veröffentlichungen zählen unter anderem:
- „Das ist Deutschland … und es gehört uns allen“. Juden zwischen Akzeptanz und Verfolgung im Kurort Bad Harzburg (2016)
- „Rudolf Huch. Antisemitismus und das kulturelle Gedächtnis der Stadt Bad Harzburg“ (2022)
Unterstützung und bibliografische Angaben
Die Drucklegung des Bandes wurde finanziell unterstützt durch:
- Harzburger Geschichtsverein e.V.
- Bad Harzburg-Stiftung
- Arnold-Liebster-Stiftung
- Spurensuche Harzregion e.V.
Der Band erscheint im Lukas-Verlag Berlin:
Markus Weber: »Aber vergesst nur nicht noch, dass Ihr zum Leben in der Welt seid«. Die Verfolgung des Harzburger Zeugen Jehovas Arno Stoy. – Harz-Forschungen Bd. 37, herausgegeben vom Harz-Verein für Geschichte und Altertumskunde. Broschur, 137 Seiten, 42 Abbildungen, Format 170 x 240 mm, zahlreiche Schwarzweiß-Abbildungen, 1. Auflage. ISBN 978-3-86732-501-1.
Mit dieser Veröffentlichung wird ein wichtiges Kapitel Bad Harzburger Stadtgeschichte aufgearbeitet und zugleich ein Beitrag zur Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geleistet.